Reaktivierung der Steinhuder Meerbahn

Radtour entlang der alten Trassenführung

Zur gemeinsamen Radtour trafen sich 15 Personen, die sich teilweise untereinander bisher nur über den E-Mail-Kontakt kannten. Darunter waren 3 Personen, die sich professionell mit der Planung des Schienenverkehrs beschäftigen, sowie Vertreter des Steinhuder Meerbahn e. V., grüne Mandatsträger aus Wunstorf, Neustadt, der Region Hannover und dem Landtag (Maaret Westphely) und interessierte Einzelpersonen.

Die Radtour führte auch plastisch aus der Vergangenheit in die Zukunft. Zunächst besuchte die Gruppe den alten Lokschuppen in Bahnhofsnähe und bewunderte die Wiederherstellung eines historischen Personenwagens der Steinhuder Meerbahn.

Entlang der alten und hoffentlich auch neuen Trasse über die Westaue ging es zur sog. „Sölterkreuzung“. Mit diesem Kreuzungspunkt wird gerne durch die Skeptiker argumentiert, dass eine Reaktivierung des Personennahverkehrs in den Nordwesten Wunstorfs, möglicherweise über Hagenburg und Rehburg bis in den Landkreis Nienburg hinein, die Verkehrsprobleme noch erhöhe.
Dies stieß in der Gruppe auf allgemeines Unverständnis: Ein Verkehrsträger, der große Gruppen von Menschen binnen Sekunden über diese Kreuzung bringen kann und damit gerade zu deren Entlastung mittels verringertem PKW-Verkehr dienen kann, wird so schlicht als Störfaktor diskreditiert. Zudem gibt es eine Vielzahl beispielhafter Städte mit noch prekäreren Verkehrssituationen, die ausgerechnet mit dem Schienenverkehr Entlastung suchen und finden.

Entlang der alten Trasse über Klein-Heidorn bis nach Steinhude bestand sehr bald Einigkeit, dass eine Reaktivierung im alten Stil nicht möglich und auch gar nicht gewollt ist. Einhellig wurde der dringliche Wunsch ausgedrückt, mit einem modernen schienengebundenen Verkehrsmittel auf einer wirtschaftlich optimalen Streckenführung den Verkehr innerorts Wunstorfs zu entlasten. Darüber hinaus soll die gesamte nordwestliche Region sowie das Steinhuder Meer mit dem Mittelzentrum Wunstorf und zudem der Region Hannover mit der Landeshauptstadt verbunden werden. Diese Zentren sollen angenehm, kostengünstig, verlässlich und für alle Bevölkerungsgruppen erreichbar sein.

Vor Klein-Heidorn wies Albert Schott auf den geplanten Verlauf der Nordum-gehung hin. Allen wurde deutlich, dass eine „Neue Meerbahn“, wie sie zurzeit diskutiert wird, diese Planungen in keiner Weise tangiert. Entsprechend groß war das Unverständnis, dass auf führender politischer und Verwaltungsebene in der Stadt und in der Region dieser Vorbehalt vertreten wird und dass diese Fehlbewertung auch verfängt. Es gab Stimmen, die die Stellungnahme der Region ohne jegliche Variantenprüfung mit einem kostenintensiven S-Bahnausbau für einen Schachzug hielten, die Blockade jeglicher Prüfung der Idee aufrecht zu erhalten. Immerhin erfolgte nur deshalb nicht eine Platzierung auf den obersten Plätzen beim Ranking im Wirtschaftsministerium des Landes. Die Gruppe favorisierte stattdessen den Einsatz dieselgetriebener Fahrzeuge, dem sogenannten „Erixx“, der schon erfolgreich u. a. von Hannover in die Heide eingesetzt wird.

In Steinhude wurde von Mitgliedern der Gruppe der vorschnelle Abriss des ehemaligen Bahnhofs kritisiert. Bei der Kaffeepause im Biergarten am Meer entwickelten sich in lebhaften Gesprächen schon die ersten Ideen, wie zukünftig gemeinsam vorgegangen werden sollte. Verschiedene Varianten und Optionen einer „Neuen Meerbahn“ wurden diskutiert und bewertet.

Weiter ging es vorbei an dem stetig wachsenden Großparkplatz in Steinhude zum Areal am Sölterweg. Hier könnte ein Ast der zukünftigen Trasse als Kopfbahnhof enden. Von dort wurde schon die nahezu gerade Linienführung entlang zweier Feldwege für eine mögliche neue Trasse zum Anschluss an die bestehenden Schienen in Bokeloh-Mesmerode sichtbar. Alle TeilnehmerInnen überzeugten sich, dass die Landschaft nicht zusätzlich zerschnitten wird. Auch die Weiterführung der Linie an Altenhagen und Hagenburg vorbei in den Rehburger Raum wurde intensiv erörtert. Selbst die Anbindung Mardorfs in einer Art Ringlinie um das Meer erschien Einigen eine denkbare Lösung. Am Kreuzungspunkt mit der B 441 vor Altenhagen wurden ebenfalls die besten Optionen diskutiert – und keinesfalls die noch offenen Probleme übersehen. Auch, dass man sich hier auf Schaumburger Gebiet befindet, fand in die Überlegungen Berücksichtigung. Beeindruckt waren die weniger Ortskundigen, welch kurze Strecke tatsächlich fehlt, um Steinhude wieder ans Schienennetz anzubinden.

Nach ca. 25 Kilometern Radtour wurde die Schlusssitzung kurzerhand zum Altensruh verlegt. Dort erklärten sich alle begeistert von der interessanten Tour und zufrieden mit den vielfältigen Informationen und Anregungen. Alle wünschten sich eine Fortsetzung der Arbeit für eine „Neue Meerbahn“ (die auch einen neuen Namen erhalten soll). Im September soll es ein neues Treffen mit dem Charakter eines Workshops geben. Bis dahin wollen die „Profis“ in der Gruppe detaillierte Optionen entwerfen, die dann als sachverständiges Nahverkehrsprojekt diskutiert und konzipiert werden können. Dies wird sich einfügen in ein vernünftiges Verkehrswegekonzept in und um Wunstorf zusammen mit dem Erholungsraum Steinhuder Meer.

Damit soll dann die Öffentlichkeit und noch mehr Unterstützung gesucht werden, wie sie schon jetzt in vielen Einzelkommentaren anklingt. Die Gruppe zeigte sich überzeugt, dass mit fortgeführter öffentlicher Diskussion die irrationale Denkblockade und die Tabuisierung anderer verkehrspolitischer Überlegungen für Wunstorf nicht aufrechterhalten werden kann. …dass endlich etwas „in Bewegung“ gerät.
Albert Schott

Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in Wunstorf und die

Regionsfraktion der Grünen begrüßen die Pläne zur Reaktivierung der StMB.

Wir konnten uns in Gesprächen mit den Vertretern des Vereins ein gutes Bild

von dem Vorschlag machen. Er erscheint in sich schlüssig und ist sehr gut

ausgearbeitet. Sicher sind noch Fragen offen, diese müssen geklärt werden.

Insoweit stimmen wir dem neugegründeten Bündnis zu.

Rüdiger Leitner, Vorstand: Wir Grünen sind jedoch von der Idee überzeugt und

erhoffen uns von einer besseren Schienengebundenen Anbindung an die S-Bahn

eine Verringerung des Autodurchgangsverkehrs in der Innenstadt, damit

positiv eingehend eine Verringerung der CO2-Belastung der Anwohner und

Anwohnerinnen. Dies wäre ein guter Beitrag zum Klimaschutz.

Dazu Anne Dalig, Regionsabgeordnete: Die Argumente der Wunstorfer Grünen

sind Ihnen ja bereits durch die Stellungnahme von Herrn Schott bekannt,

diesen möchte ich mich ausdrücklich auch für die Regionsfraktion der Grünen

anschließen. Um einen Verkehrskollaps in Wunstorf vorzubeugen, wird die Idee

der Reaktivierung von uns positiv begleitet.

Anne Dalig, Regionsabgeordnete

Stellungnahme zur gewünschten Reaktivierung der Steinhuder Meerbahn (von Albert Schott)

Bündnis 90 / Die Grünen begrüßen die Initiative des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sehr. Bei Bekanntwerden dieses Vorhabens dachten wir natürlich sofort an eine mögliche Reaktivierung der Steinhuder Meerbahn – zumal wir dieses Thema schon in der Vergangenheit in die öffentliche politische Diskussion getragen haben.

Die Steinhuder Meerbahn stellte von Anfang des vorigen Jahrhunderts bis zum Sommer 1935 eine wichtige Gleisverbindung von Wunstorf bis hinauf nach Stolzenau sowohl für den Personen- wie auch den Güterverkehr dar. Die zunehmend mangelnde Förderung und zuletzt die Einstellung des Betriebs geschahen neben der wachsenden Autoorientierung auch wegen mehrerer städtebaulicher und struktureller Neuformierungen. U. a. stand die Gleisführung durch die heutige Innenstadt, Fußgängerzone, und durch die innerörtliche Führung über die Dorfstraße durch Klein-Heidorn im unüberwindlichen Widerspruch zu (vermeintlich?) zukunftsorientierten Planungen.

Diese Schwäche wäre heute bei einer Reaktivierung leicht zu überwinden durch eine neue Streckenführung über die bestehenden und noch im Jahre 2000 erneuerten Gleise nach Bokeloh / Mesmerode, Ortsteile von Wunstorf.

Eine Reaktivierung der Steinhuder Meerbahn beendet nach fester Überzeugung der der Grünen in Wunstorf gleich eine Vielzahl von Problemsituationen mit äußerst vorteilhaften Synergien.

Denkbar ist die Reaktivierung im Konzept einer „Straßenbahn“ im Rahmen des ÖPNV unter der Ägide von Regiobus Hannover , die immerhin noch in Besitz der Eisenbahnlizenz durch die Übernahme der früheren Steinhuder Meerbahngesellschaft ist. Alternativ ist es denkbar, die Strecke in das bestehende Netz der S-Bahn in der Region Hannover aufzunehmen. In beiden Varianten ergibt sich eine Schienenverbindung vom Zentrum Hannovers bis nach Steinhude, damit in einen recht dicht besiedelten Landstrich und dem vorrangigen Naherholungsgebiet der Landeshauptstadt, dem Naturpark Steinhuder Meer. Optimaler jedoch, weil sicherlich noch wirtschaftlicher, wäre eine Fortführung und echte Reaktivierung der Strecke über Altenhagen, Hagenburg im randständigen Bereich des nördlichen Landkreises Schaumburg bis nach Rehburg und Stolzenau im ebenso randständigen südlichen Bereich des Landkreises Nienburg.

Oben genannte Problemlagen sind:

Wunstorf hat schon lange seine Kapazitätsgrenze erreicht bzw. überschritten, was den innerstädtischen und den Durchgangsverkehr betrifft. Dies ist zu einem nicht unerheblichen Teil begründet durch die Pendlerströme aus den oben genannten westlichen Nachbarkommunen und Landkreisen zum Bahnhof Wunstorf bzw. nach Hannover. Der Bahnhof liegt jedoch im Osten der Stadt. Er erfreut sich großer Beliebtheit über seine ausgesprochen guten Verbindungen zum Hannoveraner Hauptbahnhof. Es ergeben sich damit große Bedarfe für einen schienengebundenen Nahverkehr, wie oben beschrieben.

  • Hingewiesen sei dabei auch auf die trotz fortwährenden Ausbaus beschränkten Parkplatzkapazitäten am Wunstorfer Bahnhof.
  • Hingewiesen sei auch auf die Funktion der Stadt Wunstorf als regionales Mittelzentrum im Hinblick auf Schulen, Einkauf, Dienstleistung, Kultur und für die genannten Bereiche der Schaumburger und Nienburger Landkreise.
  • Hingewiesen sei auch auf die Größe der Wunstorfer Ortsteile Steinhude und Großenheidorn sowie der Nachbarkommune Hagenburg, die in vielfältiger Weise mit Wunstorf verbunden ist.
  • Hingewiesen sei auch auf die jahrzehntelange Planung der Nordumgehungsstraße, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern ersehnt wird, deren Verwirklichung jedoch fraglich bleibt und die jedoch nach der Verkehrsstudie, mit der sie begründet wird, die Innenstadt und die Ortsquerung von Wunstorf nur bedingt entlasten wird.
  • Hingewiesen sei auch auf die schon jetzt hohe Attraktivität besonders bei Tagestouristen und am Wochenende, die Steinhude mit dem Steinhuder Meer und dem Umland auf viele Besucher auch aus der Region ausübt. Gerade in Steinhude entwickelt sich die Parkplatzsituation bei Großveranstaltungen und an schönen Wochenenden immer wieder prekär. Das Gleiche gilt übrigens für die An- und Abreise.

Hier liegt das zweite attraktive Motiv für die Reaktivierung der Steinhuder Meerbahn. Als Museumsbahn mit noch zu klärendem Charakter würde sie die Attraktivität des touristischen Angebots noch weiter verbessern, zugleich jedoch den Kriterien des „Sanften Tourismus“ und regionaler Erholungssuche entsprechen. Auch würde sie dem gemeinsamen Auftritt der beteiligten Kommunen in der Vermarktung dienen.

Albert Schott, Fraktionsvorsitzender

 

Materialien und Presse zu diesem Thema:

Die Präsentation von
1402 Reaktivierung der StMB Präsent 13-0
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SPNV-Verbindung Steinhude - Wunstorf Ver
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1403 StMb LVNG Nutzwertanalyse 14-03-14.
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1403 StMb W. Stadtanzeiger 15-03-14 Seit
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1403 StMb W. Stadtanzeiger 15-03-14 Seit
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1403 StMb Ranking Nutzwertanalyse Anmerk
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1406 StMb Leine-Zeitung 06-06-14.pdf
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1406 StMb Leine-Zeitung 10-06-14.pdf
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1406 StMb Schaumburger Nachrichten 10-06
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1406 StMb SHG Wochenblatt 11-06-14.pdf
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1406 StMb W. Stadtanzeiger 26-06-14.pdf
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1407 StMb Leine-Zeitung 21-07-14.pdf
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1407 StMb W. Stadtanzeiger 24-07-14.pdf
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